Alternativen

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[...] Stars will keiner mehr sehen, jedenfalls keine glamourösen, makellosen Stars! Wir wollen Dreck sehen stattdessen und Blut und Koksränder unter der Nase von Amy Winehouse. Abstürze, Ausfälle und herausquellende Fettpolster auf dem Roten Teppich. Schlechtes Playback, Privatpornos und Polizeifotos von der Verhaftung. Wir wollen uns aufregen dürfen über millionenschwere Wracks… und uns dabei besser fühlen. Das Pferd der Identifikation zäumen wir mittlerweile von der dreckigen Seite her auf.
Castingshows und Paparazzifotos, die Weiterentwicklung von Big Brother. Menschen mit Talent und ohne, die tiefer kriechen als wir es jemals können, würden, wollen (?). Wenn sich Zicke A aus Elmsbüttel und Schlampe C aus Berlin-Mitte vor Heide Klum’s hohl glänzenden Augen bissiger anfeinden als die Cast von Denver-Clan und Frau Müller aus der Buchhaltung zusammen, fällt uns die Zufriedenheit mit uns selbst plötzlich weitaus leichter. Natascha Kampusch hat eine Talkshow, Michael Jackson’s Gerichtsprozess auf MTV, Britney Spears war beim Friseur und die Haare bei eBay. Mit Big Brother und Bridget Jones hat eine neue Form der Selbstfindung begonnen und wir haben schließlich unsere Fehler zu akzeptieren gelernt. Solange wir sehen dürfen, dass wir, so im direkten Vergleich, gar nicht so übel sind. Und glauben dürfen, dass wir das mit harter Arbeit, realistischer Selbsteinschätzung und MySpace, YouTube und Blogs auch selbst schaffen könne, sind wir glücklich. Solange wir nur gezeigt bekommen, dass auch Madonna alt wird und Heath Ledger versehentlich medikamentös entschlummern kann. Unzensiert, gnadenlos und menschlich. So wie wir. Nur eben… tiefer.

[...] Was habe ich gelacht, damals. Gelacht und mich aufgeregt. Über Big Brother und die Leute, die sich das ansahen. Wie kann man sich so offenbaren? So offen über Innerstes sprechen? Es ist seltsam von jeder Seite! – Drei Jahre später schreibe ich Blog und bin damit nicht allein. Man schreibt Blog oder lädt Fotos, mit denen früher Freundschaften endeten, bei MySpace und StudiVZ hoch. Im Fernsehen schaut man sich… Ja, was eigentlich? – Man schaut sich Entzauberung an!

[...] Wir wollten sein wie die Großen und weil das nicht geklappt hat, haben wir sie klein gemacht. Unsere Götter getötet. Sie vermenschlicht. Untermenschlicht. Damit wir in sie hinein passen und schließlich selbst zu ihnen werden können. Plötzlich Star. Wir freuen uns, Finalisten dafür hassen zu können, dass wir sie bewundern müssen. Weil sie wie wir sind. Vielleicht hat einer von ihnen mal nebenan gewohnt. Es geht um Identifikation auf Augenhöhe.

Eingetragen unter:Nachhilfe in Selbstfindung, neues Dings

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