Was ist das Internet?

2009 November 13
by hoch21

Ein schönes Projekt zum Geburtstag einer nun 90 Jahre alten Dame. Bitte diesem Link folgen und mal überlegen, was man selbst dazu schreiben kann.
Meinen Beitrag gibt es nach dem Klick.

Liebe Blogschreiberin,

Ich neige dazu, es spontan (und ein wenig flapsig) so zu formulieren:
Internet ist das, was man stattdessen macht, wenn man eigentlich damit beschäftigt sein sollte, etwas für, mit oder aus seinem Leben zu machen.

Doch eigentlich glaube ich, dass es wohl eher so ist:

Wenn man all die Menschen, denen man in 90 Lebensjahren auf irgendeine Art begegnet ist, in einem Raum zusammenbringt, der immer genau so groß ist, wie er gerade sein muss. Und wenn man diesen unglaublich vielen und natürlich auch unglaublich vielen verschiedenen Menschen sagt, dass jeder von ihnen tun und lassen kann, was er mag, ohne jedoch eine andere Person im Raum zu berühren.

Dann werden die meisten dieser Menschen anfangen zu sprechen. Manche werden miteinander sprechen. Und sie werden Gruppen bilden. Manche werden versuchen, zu allen gleichzeitig zu sprechen. Manche werden mit sich selbst sprechen. Und manche werden einfach anfangen zu erzählen, in der Hoffnung, dass jemand zuhört. Oder dankbar für den Umstand sein, dass es niemand tut.
Viele von denen, die sprechen, werden von sich erzählen, aus ihrem Leben. Ihre Geschichten. Jede Art von Geschichte. Traurige. Fröhliche. Lehrreiche. Mahnende. Es werden unfassbar viele Geschichten sein und sie werden unfassbar vielseitig sein. Und nehmen wir mal an, dass all die Menschen, die in diesen erzählten Geschichten auftauchen, dadurch ebenfalls noch in diesen Raum kommen und ihrerseits anfangen werden zu reden.
Dann wird ihre Zahl stetig wachsen, sie wird sich geradezu überschlagen. Mehr und mehr Menschen werden in den Raum gelangen. Mehr und mehr Leben, voll mit Geschichten. Und viele davon werden erzählt. Erschreckende. Weise. Sinnlose. Unterhaltsame.
Eine Mutter wird von sich und von ihren Kindern erzählen. Die Kinder werden von ihren Lehrern und ihren Freunden erzählen. Die Lehrer werden von dem erzählen, was sie den Kindern beibringen wollen und von Kollegen. Die Freunde der Kinder werden von ihren Eltern erzählen, die Eltern von Reisen und ihrem Beruf…
Es wird dröhnend laut sein in diesem Raum, in dem Weltansichten, Wissen und nahezu vollständige Leben unaufhaltsam sprudeln, strömen und stürmen, während es von Allem immer nur noch mehr wird.

Wenn man all das an Gefühlen, an Erfahrungen, an Wissen und Wahrnehmung einfangen könnte, was im kleinsten Teil einer Sekunde in diesem Raum hörbar ist, wird man tausendfach 90 Lebensjahre brauchen, um das Gesammelte gut unterzubringen.

Dieser Raum, in dem jede Möglichkeit existieren wird, die ohne Berührung existieren kann, ist das kleinste Modell dessen, was das Internet ist.
Das ist zumindest meine Sicht darauf.

Alles Gute in diesem Raum. Es gibt viel zu entdecken.

Florian


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