Und dann musst Du schon wieder Dein Leben nacherzählen. Ich wurde geboren. Ich wuchs auf. Meine Lieblingsfarbe ist. Die Narbe habe ich. Damals sind wir immer. Mein Vater. Meine Mutter. Deutschlehrer. Manchmal denke ich. Früher wollte ich. Ich mag ja. Unsere Katze hieß. Ich habe Angst vor. Ich bin allergisch gegen. Ich wähle, wurde und wünsche. Ich war, werde und will irgendwann nochmal.
Das wievielte Mal ist das jetzt? Das siebte Mal? Waren es sechs Male? Ja, das kommt in etwa hin. Sechs Mal so ziemlich ganz und vier Mal so weit, wie man in der gemeinsamen Zeit kam. Und wozu? Sechs Menschen, die Du nicht wiedersehen möchtest, laufen jetzt mit so ziemlich vollständigen Nacherzählungen Deines Lebens im Kopf durch die Welt. Und Du mit ihren. Was für eine Platzverschwendung! Was für eine Zeitverschwendung!
Alles, um es keine fremden Arme sein zu lassen.
Du hast erzählt und Dir wurde erzählt. Namen, Orte, Daten. Manches sortiert, vieles unsortiert. Du könntest aus Deiner Erinnerung wohl sechs Biographien schreiben. Sechs Bücher, in denen Du alle Momente, Menschen und Macken jedes dieser Leben addieren und am Ende nur beweisen würdest, was Dir besser vorher bewusst gewesen wäre: Dass Du gar nicht erst den Mund hättest aufmachen sollen.
Und jetzt also noch einmal. In diesem Fall neunundzwanzig Jahre gegen Deine sechsundzwanzig. Noch drei Jahre mehr, die Du für eine gewisse Zeit speicherst und dann nicht mehr vergißt, obwohl Du es könntest und vielleicht besser solltest. Datenmüll von Programmen, die längst gelöscht sind, weil sie nicht kompatibel waren. Die eigentlich temporären Dateien Deiner Beziehungen. Einsen und Nullen.
Obwohl… nur Nullen.
Wieso tust Du Dir das an?
Ach, stimmt ja. Das hast Du dann doch vergessen.