Show

Ihr Name ist Michaela und im Jahr ihrer Hochzeit hatte sie schwanger werden wollen.
(Wir wollten gern einen Jungen und ein Mädchen.)
Das Haus war gebaut
(Und das ist der Balkon),
die Küche komplett
(Das Geschirr ist noch von ihren Eltern)
und das Wohnzimmer eingerichtet
(Setz‘ Dich doch zu mir).
Fünf Jahre verlobt.
Auf dem Foto im Flur glänzt der Ring an ihrem Ringfinger.
Dann die Trennung.

(Was mache ich hier eigentlich?)
„Ist das nicht…?“, frage ich.
Er zieht mich von dem Foto weg.
„Ich weiß nicht, warum sie es noch nicht abgehangen haben! Ich sehe furchtbar darauf aus! Warte bitte hier!“
Mein Magen tanzt.

„Da ist er ja endlich“, tönt es aus dem Wohnzimmer.
Mutter, Vater, Schwester, Schwager, Nichte, Neffe, Bruder, Schwägerin, Tante, Oma, Opa und Mama‘s beste Freundin.
(Ich weiß, aber sie sind doch alle so neugierig!)
Ich lehne am Türrahmen in der Küche und betrachte die beiden Silbertabletts auf der Anrichte.
Belegtes mit Mozzarella und Meerrettich zwischen Petersilie, Oliven und Trauben.
In der Spüle stehen leere Sektflaschen.
(Was wird das hier?)
„Hast Du die Geheimnisvolle mitgebracht? Wo ist sie denn?“
(Meine sehr verehrten Damen und Herren…)

Ich freue mich, dass Ihr…
(Oh je!)
Es ist lange her, dass ich zuletzt so glücklich…
(Oh Mann!)
Ihr habt mich alle erlebt…
(Oh Gott!)
schwere Zeit…
(Oh mein Gott!)
unerwarteter Neubeginn…
(Ohgottohgott!)
…möchte ich, dass Ihr jemand Besonderen kennen lernt!

(Schatz, Du kannst jetzt hereinkommen!)
„Schatz, kommst Du mal?“

Meine Beine bewegen sich.
(Hoffentlich erstickt seine Oma nicht an einer Salzstange!)

„Das ist…“
(ein Alptraum!)
(Sowas von gar nicht Michaela, bitches!)
(Dein Herzblatt!)
(mein Ende.)
(ja ein Mann, Herbert! Was will Dein Sohn denn mit einem Mann, Herbert?)

(…eine Show der Superlative!)

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