Ein Fortbildungsinstitut in Deutschland.
Adobe InDesign CS5 Fortbildungsseminar.
Zweitägig.
856€ pro Person.
Tag 1
09:15 Uhr – 10:00 Uhr: Wir stellen fest, dass man Computer anschalten muss, damit sie brummen. Man muss aber den Bildschirm auch anschalten, damit man ein Bild sieht. Übung für Fortgeschrittene: Bei Windows anmelden. Ein Teilnehmer hat mitgebracht, was er an der Arbeit nicht beherrscht. Es ist ein Adobe Illustrator-Dokument. Unzufriedenheit macht sich breit, als die Seminarleitung ihn darauf hinweist.
10:00 Uhr – 10:30 Uhr: Windows fährt hoch. Wir stellen fest, dass Adobe InDesign CS5 nicht installiert ist. Der Computer einer Teilnehmerin macht einen Systemcheck. Panik breitet sich aus.
10:34 Uhr: Die Liste für das Mittagessen geht herum. Währenddessen spielt die letzte Reihe Spider Solitair. Die Seminarleitung schwitzt.
10:34 Uhr – 11:00 Uhr: Pause. Die beiden Russinnen fahren ihren Fiat Panda aus dem Halteverbot vor dem Institut und in die Tiefgarage. (Musse Auto umfahre! Du warte! Du Zigarette? Danke! Du warte hier!)
11:00 Uhr – 11:20 Uhr: Raumwechsel.
11:20 Uhr – 11:30 Uhr: Computer starten. Da keine Stühle vorhanden sind, Stühle suchen.
11:30 Uhr – 11:31 Uhr: Die Seminarleitung kündigt an, dass es nun losgehen kann.
11:31 Uhr – 11:45 Uhr: Der Illustrator-Bot vom Morgen unterbricht und möchte sein Illustrator Problem noch einmal “zur Sprache bringen”. Gekonnt ignoriert er die Einwände der Seminarleitung, es handle sich um ein InDesign-Seminar und er soll Illustrator-Probleme im morgigen Illustrator-Seminar ansprechen.
11:45 Uhr – 14:00 Uhr: Die Seminarleitung startet Adobe Illustrator. Alle Teilnehmer bis auf den Illustrator-Bot gehen in die Mittagspause bis 14:00 Uhr. Der Illustrator-Bot trägt Mokassins, Strickjacke, Brille, Übergewicht und arbeitet als Programmierer. Eine der Russinnen erzählt mir auf dem Flur von ihrem “E.T.”-Berater. Die Blumen auf dem Flur des Instituts sind aus Plastik. Kunstdrucke von Monet an den Wänden. Ich brauche eine Zigarette und einen Fluchtplan und einen Flammenwerfer.
14:30 Uhr: Ich öffne eine Dose Relentless Energydrink. Die Seminarleitung ermahnt mich, mich gefälligst zusammenzureissen und während des Seminars nicht einfach ein Bier zu trinken, eine Frechheit wäre das.
14:31 Uhr: Ich könnte ein- bis vierundzwanzig Bier vertragen, um mich wieder abzuregen.
14:50 Uhr: Das ist hier eindeutig kein InDesign-, sondern ein InSichRuhen-Seminar. Ich esse die Tischplatte. Vor mir wird der dritte Versuch gestartet, ein Dokument zu speichern.
15:50 Uhr: Seminarleitung: “Oh, schon so spät? Mensch, die Zeit rast heute aber!”
(Ja. Schnell wie ein Stein.)
15:53 Uhr: “Na das war doch ein ganz schön anstrengender Tag, nicht wahr? Aber wir haben ja auch viel geschafft!”. Lächeln. Nicken. Tasche packen. Jacke. Winken. Schleunigst türmen.
15:54 Uhr: Die Russinnen fangen mich am Aufzug ab und fragen, ob ich mitkommen möchte “wastrinkegelle”. Ich schaue auf die Uhr, eine nimmt meine Hand und schüttelt sie. Olga. Grüner Lidschatten. Rote Lippen. Ende 40. Nichts wie weg.

