☑
Alternativen ist ein Irgendwas mit Texten. Früher war es mal ein Blog.
Seit fast kurz nach Beginn 2008 weiß ich selbst nicht mehr genau was es ist. Ich habe da jedoch so eine Vermutung…
Hinweis:
- Wer ausschließlich wissen möchte was dieses Blog beherbergt, lese bitte nur die fettgefressenen Abschnitte.
- Wer sich für die Geschichte des Blogs und die Hintergründe interessiert, der ist herzlich eingeladen das nun Folgende komplett zu lesen.
Ich habe zwischen 2006 und 2008 ein pralles, doppeltes Tausend Einträge verfasst.
Zuerst (2006) waren diese Einträge tagebuchartige Berichte,
dann (Ende 2006/ Dreiviertel 2007) wich die Tagebuchform einer Sammlung von Gedanken und
bekam schließlich (Viertes Viertel von 2007) langsam Tentakel, Köpfe und ausgeprägte experimentelle Neugier.
Als 2007 ausklang herrschte im Schreibstil und den Inhalten der Einträge ein düsteres Chaos, ganz ähnlich dem düsteren Chaos, welches in mir selbst zu der Zeit herrschte.
Zu Beginn 2008 beschloss ich „daher“ drei Dinge:
1.) Ich gehe in die Klapse und werde nicht über LOS dorthin gehen.
2.) Ich breche mein Studium ab, denn ich verbringe sowieso die meiste Zeit mit dem Blog.
3.) Ich schließe das Blog. Denn Strafe muss sein.
(Danach beschloss ich noch, mich nie wieder zu verlieben, zehn Kilo abzunehmen, mit dem Rauchen aufzuhören, nicht mehr so oft abzuschweifen, mein Leben in den Griff zu bekommen, Geld zu spenden, mich bei der GEZ anzumelden und nicht mehr zu schreiben.
Doch das ist gerade nicht so wichtig, schätze ich.)
Ich ging tatsächlich in die Klapse. Ich brach mein Studium ab. Und ich schloss das Blog.*
(* Das „alte“ Blog. Ich hatte mir ja nicht vorgenommen, nie wieder ein neues Blog zu eröffnen!)
Im März oder April 2008 eröffnete ich schließlich dieses Blog und klebte das Prequel dazu hinten dran. Und jetzt komme ich auch auf den eigentlichen Punkt zu tippen:
Alternativen (damals noch namenlos) entstand als Labor für sozusagen narrativ-experimentelle Quantengermanistik (SNEQ) und Hobby-Amateurphotographie.
Ich wollte all die wirren Gedanken und kleinen Geschichten, die ich mich nicht getraut hatte im Rahmen des alten Blogs umzusetzen, ohne Rücksicht auf Leserschaft, Lesbarkeit (und die lettische Lesbenlesekreisleiterin Else-Luise Leppler) in akribisch abstrahiertem, überbarockisch überladenem aber vor Allem spaßstiftend sprachgrenzensprengendem Schreibstil verschriftlichen.
Nicht weniger und nicht mehr. Nicht weniger und eher mehr.
Folgende Hintergrundtatsachen möchte ich, wenn auch nur für mich, noch einmal festhalten bzw. klarstellen:
Das Schreiben hat mich mein Studium gekostet.
(Es war eigentlich ein schönes Studium, eigentlich war es sogar ein Plural. Studiumme.)
Seit ich mit dem Blogschreiben (2006) begonnen habe, saß ich keinen Tag weniger als vier Stunden vor dem blinkenden Cursor irgendeines Textfensters. Meistens waren es über zehn Stunden, was mich zum nächsten Punkt bringt, den ich gern festhalten möchte:
Das Schreiben hat mich eine Beziehung und beinahe jeglichen sonstigen Sozialen Kontakt gekostet.
Jeder wird sich wohl denken können, dass eine vierjährige Beziehung mit jemandem, der von diesen vier Jahren dreieinhalb Jahre beinahe ausschließlich Texte geschrieben hat und zu Aktivitäten jenseits des Textverarbeitungsprogramms so selten, dass man „nie“ schreiben kann, zu überreden war, keine besonders beneidenswerte Form des Zusammenlebens zweier Menschen ist. Wenn dieser Mensch dann auch noch mit besagten Texten nicht einmal seinen Lebensunterhalt bestreitet, sondern dies als Hobby betreibt… Nun, der Punkt ist wohl klar geworden!
Copy & Paste obigen Absatz für eine sinngemäße Erläuterung zu „sonstigen Sozialen Kontakt“.
Das Schreiben ist mein Lebensinhalt.
Das Bemerkenswerte an mir ist, Zeugenaussagen zufolge, meine Abneigung gegen das Schreiben, obwohl ich nichts Anderes mache als das.
Ich kann mich seit jeher nur schwer damit anfreunden, dass Schriftsprache in Konsum und Produktion auf mich mit einem starken Gravitationsfeld, ähnlich dem eines Schwarzes Lochs, einwirkt. Da ich mir der alltäglichen Entbehrungen für Nichts und Wiedernichts sehr stark bewusst bin, genieße ich den Akt des Schreibens mittlerweile meist weniger als dass ich ihn vielmehr über mich ergehen lasse. Die Computertastatur ist sozusagen mein Zugang zu Crystal Meth. Die von mir (ernsthaft) deswegen konsultierten Fachpsychomenschen meinten, dass es schlimmere Süchte gäbe als Schreibsucht, die ohnehin nicht existiert. Ich soll das vorhandene Potential zu meinen Gunsten nutzen und das Hobby zum Beruf geschlechtsumwandeln.
Das jedoch führt mich zu einem massiven Problem:
Mein Schreiben und die daraus hervorgehenden Ergebnisse kann ich am Besten mit der Art vergleichen, wie ich mir Sexsucht vorstelle. Man gibt dem Drang nach und hinterher mag man sich selbst ebenso wenig wie das gerade Produzierte.
Ich halte mich weder für einen talentierten, noch für einen sonst wie guten Autor. Gleiches gilt für alle von mir versponnenen und verbrochenen Texte (und Fotos). Ich bin bis zur Veröffentlichung eines Textes verzweifelt unzufrieden mit dem Ergebnis und danach erst recht. Mittlerweile kann ich mir zwar eingestehen, dass ich manchmal etwas schreibe, was mir gefallen könnte. Doch da das Erzeugnis von mir stammt, hält sich meine Liebe für das Werk weiterhin in schmalen Grenzen auf.
Wenn ein Text von mir mehreren Lesern gefällt, steigen meine Scham und meine eigene Art der Postnatalen Depression exponentiell an. Daher entziehe ich mich auch nur zu gern jeder Diskussion über Form und Inhalt meiner Texte in Kommentaren. (Auf Anfrage erläutere ich auch ein weiteres, weitaus allgemeineres Problem meinerseits mit Kommentaren gern.) Es ist sehr schwer ein eigenes Kind zu verteidigen, das man selbst für schuldig hält. Noch schwerer ist es, für ein solches Kind gelobt zu werden.
Mein Verhältnis zum Schreiben hat sich, wie bereits erwähnt, in letzter Zeit etwas entspannt. Das ist gut für mich, denn es macht das Leben mit Schreibsucht erheblich einfacher. Dass es mir diesbezüglich mittlerweile etwas besser geht hängt auch damit zusammen, dass ich auf Alternativen nicht mehr publikumsbezogen schreibe, sondern ausschließlich nach eigenem Bedarf.
2006 habe ich einfach drauf losgeschrieben.
2007 schrieb ich fast nur für Andere.
2008 schreibe ich nur noch für mich.
Daher nun noch ein paar Ausführungen zu Alternativen in Stichpunkten:
- Ich versuche manchmal die Stellen in Romanen zu imitieren, die ich mir selbst herausschreiben (oder, wenn es nicht mein eigenes Buch ist, anstreichen) würde. Das heißt, dass immer mal wieder Sätze auftauchen, die aussehen wie Zitate aus Irgendetwas und sich lesen, als wären es Zitate aus Irgendetwas. Jedoch sind es genaugenommen keine Zitate, sondern Kopfgeburten meinerseits aus Büchern, die ich nie schreiben werde. Mir gefällt manchmal einfach nur der Klang, der Rhythmus oder der Inhalt.
- Alles. Alles. Alles ist erfunden. Oder Lichtjahre von der Realität entfernt. (Ich gehe nie aus. Ich habe kein spannendes Leben. Es ist entweder erweitert oder erdacht und erlogen, doch nie bzw. nie so erlebt!)
- Einer der wichtigsten Anwenderhinweise für Alternativen ist: Man muss es nicht verstehen. Dennoch habe ich sicher bei jedem scheinbar sinnlosen Satz irgendeinen Hintergedanken dazu gehabt. Sinnlos schreibe ich nie etwas, nicht nachvollziehbar jedoch manchmal durchaus. Grundsätzlich kann, muss man sich selbstverständlich aber nicht, auf Spurensuche im eigenen Kopf begeben.
- Ich spiele Wortspiele um der Wortspiele Willen. Ich mag Wortspiele. Ich mag Sprache kompliziert und finde Alliterationen lustig wie andere Menschen Filme der Cohen-Brüder.
- Ich kann mich über ein schönes, wildes, neues Wort oder eine Sinnabstraktion freuen wie ein Pfefferkuchenhaus. Vergangenes Jahr habe ich das Verb „parduseln“ gebastelt, an dem ich mich noch immer erfreuen kann. Dieses Wort gibt es nicht und ich weiß auch nicht was es bedeutet. Vielleicht ist es das betrunkene Tippen peinlicher SMS an Ex-Partner. Oder auch nicht. Google weiß es auch nicht.
- Ich empfinde große Befriedigung, wenn es mir gelingt eine Textsorte zu produzieren, die den die Textsorte betreffenden Regeln folgt und sie dennoch an irgendeiner Stelle bricht. Das kam zuletzt nicht mehr so häufig vor, denn ich habe schon so ziemlich jede Textsorte einmal derart verdreht. Es ist eine persönliche Angelegenheit, die eigentlich nur mich und gewisse ehemalige Deutschlehrer und Germanistikdozenten, deren starrsinnige Lehre dieser vielseitigen Sprache mich verärgert hat, etwas angeht. Eine Abrechnung mit Fachgelehrten im anspruchsvollen Stil von „Ha Ha!“ und „Ätsch!“.
- Von intertextuellen Bezügen kann ich die Finger nicht lassen. Oft sind es genau solche Bezüge, aufgrund derer man als Leser, der das Bezugswerk nicht kennt, etwas nicht versteht.
Zum Schluss noch die langweilige Anekdote der Entstehung des Blogtitels „Alternativen“:
Das Alternativen-Blog hatte in den ersten Monaten keinen Titel, weil mir kein Titel eingefallen war, der es meiner Ansicht nach treffend beschrieb.
Ein von mir zwischenzeitlich nicht mehr geliebter Mensch merkte jedoch eines vergangenen Tages mal an, dass alles was ich schreiben würde, die Geschichten, die fiktiven Zitate, die Berichte, usw., sowie das Anwachsen des Schreibzwangs in Verbindung mit dem Versiegen meiner beruflichen und privaten Perspektiven, den Anschein erwecke, ich würde versuchen mir eine alternative Realität zu erschaffen, weil mir die vorhandene Realität nicht genüge bzw. meine Erwartungen und Hoffnungen nicht erfülle. Alles von mir Erschaffene trage in sich selbst und im Gesamten den Wunsch nach einer Alternative.
Ich denke, dass er damit recht hatte.
Es geht mir hier um Alternativen in jeder Form, Größe und Preisklasse.
08.10.2008
RSS - Posts
Ich möchte einen Lebensplan erstellen voller leerer Passagen und ihn dir dann hin schieben und fragen: Kommst du auch?
So. Außer ‘Autor’, ‘Ankündigung’ und ‘Gebrauchsanweisung’ (und die nicht einmal ganz) habe ich von Dir noch nichts gelesen. Das reicht mir auch erst mal, für alles andere muß ich vorher wieder etwas Ruhe in meinen Kopf bringen. Das mache ich jetzt hiermit, indem ich mich in Deinen begebe, um zu erforschen, was Chaos überhaupt bedeutet und ob mein Chaos gemessen daran nicht doch eigentlich schon Ruhe ist.
Zuerst das: Kein Psychologe oder Psychiater hat es verdient, Dich behandeln zu dürfen und dafür auch noch Geld zu nehmen. Die Diagnose ist Quark, zumindest ist sie unvollständig.
Weiter: War ein Psychologe, der die grandiose Idee mit der Alternative hatte, hm? Ich schlage von Alternative automatisch die Brücke zu Verantwortung, und bei Verantwortung bin ich beim Psychologen, der irgendwann erkennt, daß er damit auf Dich nicht den allergeringsten Eindruck machen kann, woraufhin er sich als letzten Ausweg an die Alternative klammert, Dir einzureden, Du bräuchtest eine. Und weil Du ja mit nichts genug hast, machst Du gleich ‘Alternativen jeder Form, Größe und Preisklasse’ draus.
Und Du läßt Dir das tatsächlich einreden. Eine Alternative zu DIR? Du machst doch sowieso nur das, was Du willst. Wonach suchst Du denn, wo willst Du denn hin? Du kommst ja doch nie an. Und das weißt Du ganz genau.
Das, was Du mit Alternativen meinst, sind keine. Du meinst ‘Input, mehr Input’ (Zitat ‘Nummer 5 lebt’).
Mir war danach. Ende.
Ah, das noch: parduseln für dusselig parlieren. Siehste, jetzt freue ich mich auch.
Nun, DINshredder,
das ist eine ganze Menge Meinung.
Zuerst einmal möchte ich festhalten, dass die Diagnose tatsächlich nicht vollständig ist. Doch sie ist der Teil des Quarks, den ich bereit bin über mich zu veröffentlichen. Der umfangreiche Rest geht, meiner Ansicht nach, nur eine sehr eingeschränkte Gruppe von Menschen etwas an. Ich halte ihn darüber hinaus auch nicht für relevant, was die Lektüre des Blogs betrifft.
Also ist es Chaos und auch eine Offenlegung der Gründe für dieses Chaos wird das Chaos selbst nicht sortieren. Vielleicht rechtfertigt es manche Abschnitte. Doch eine Erklärung, eine Aufklärung, eine Aufklarung, würde damit nicht erreicht. Es würde bleiben was es ist und daher ziehe ich es vor, das unnötig Private nicht zur unpassenden Unterhaltung freizugeben.
Die Idee der Alternative zu einem normalen Leben stammt nicht von einer Person des Fachs. Diese Idee ist älter als mein Schulabschluss und wurde mir oft genannt, von unterschiedlichsten Menschen mit unterschiedlichsten Intentionen. Der jüngste Rat, mich eher experimentell mit Lebensgestaltung auseinander zu setzen, stammt dagegen durchaus vom Fach. Doch Du scheinst misszuverstehen, was mit diesem Rat gemeint ist. Und ich denke, dass dieses Missverständnis aufgrund fehlender Informationen (siehe Abschnitt A) aufgekommen ist.
Der Ratschlag traf zeitgleich mit der aufkommenden Notwendigkeit zur Umorientierung zusammen. Keine Alternative zu mir, sondern eine Alternative zu einem Alltag, den ich weder jemals wollte, noch je durchgehalten habe oder irgendwann durchhalten können werde. Machen Sie das, was sie können! trifft es am Ehesten und ist im Kern simpel.
Das führt mich schließlich von der Norm weg und in Richtung einer alternativen Lebensgestaltung, welche Büros und Gleitzeit ausschließt. Nicht, weil es schöner ist oder ein finaler Akt therapeutischer Ratlosigkeit. Sondern weil hinreichend bewiesen ist, dass es mir anders nicht möglich sein wird.
- Das verstehe ich nicht. Zudem lasse ich mich nicht therapeutisch behandeln! Dieser Versuch wurde schon vor Langem (und schließlich auch von mir) aufgegeben. Permanent lässt sich nicht behandeln, wenn behandeln denn impliziert, dass ein Heilungsprozess, also irgendein Erfolg, eintritt.
Ich bin was ich bin. Daran wird sich nichts ändern (lassen)!
Alternativen ist nur ein Oberbegriff, ein großer Ordner, in den ich hier alles stecke. Sich über die Richtigkeit dieses Etiketts auszutauschen ist müssig. Es sind Eher mehr als Ausschließlich. Das Blog beschränkt sich nicht auf die Schilderung von Lebensentwürfen oder Handlungssträngen am Rande der Norm. Sondern es ist selbst die Alternative. Das Blog ist die Alternative. Der Inhalt ist das Resultat der Entscheidung, diesen Weg zu gehen.
Ich weiß, dass ich nie ankomme. Aber geht es überhaupt darum? Das Ende einer Entscheidung zu erreichen? Wer erreicht das denn schon? Erreichst Du es? Hast Du es erreicht? Glaubst Du wirklich, dass man das kann?
Ich nicht.
Gut, dann nenne es Alternative; obwohl es eben doch keine ist, denn das, was sie ‘ersetzen’ soll, stand ja ohnehin nie (ernsthaft)zur Diskussion. Außer bei Deiner Umgebung natürlich, mit anderen Maßstäben.
Ansonsten bin ich ziemlich zufrieden mit dem, was ich da höre.
Das geht mich natürlich auch alles was an, ich weiß. Nochmal
. Ich wollte mir da aber ganz sicher sein, ehe ich mich in Deinem Blog weiter umsehe. Ich hatte bei dem wenigen, was ich bisher von Dir gelesen habe, zum ersten Mal überhaupt in meinem Leben das Gefühl, daß das, was Du sagst, nicht in meinem Kopf ankommt, sondern in meinem Bauch. Ich hatte das Gefühl, als habe einer eine Kerze angezündet – oder ich müsse das tun. Nun wundert mich bei mir gar nichts mehr, aber dieses Bauchgefühl war tatsächlich überraschend real.
Insofern habe ich da gewisse Erwartungen an das, was mich in Deinem Blog erwartet. Hättest Du auch nur ein falsches Wort gesagt, wäre ich vermutlich so enttäuscht gewesen, daß ich mich geweigert hätte, hier nur mit dem Verstand weiterzulesen.
Du hast diesen zitierten Satz aus meinem ersten Kommentar nicht verstanden? Haha, der war gut!
Ich war, nachdem ich den Kommentar abgesandt hatte, in ziemlicher Sorge, daß Du alles mißverstehen könntest. Du konntest alles, was ich gesagt habe, auch vollkommen anders gelesen haben, als es gemeint war. Um ein Haar hätte ich noch ein paar Worte nachgeschickt. Doch ich wollte da nicht mehr eingreifen.
Bis auf diesen Satz kann sich alles zweideutig lesen lassen. Aber der eben nicht. Einigen wir uns in der Öffentlichkeit so: Ich habe dem nichts hinzuzufügen.
Ich habe Dir nicht vorgeworfen, daß du nie ankommen wirst. Ich habe nur geschrieben, daß ich weiß, daß Du weißt, daß du es nie wirst. Ich habe auch nicht gesagt, daß ich das irgendwo Ankommen für erstrebenswert halte.
Und es ist eben doch so, daß es fast allen ums Ankommen geht. Alles ist darauf gerichtet, sich irgendwann einmal zurücklehnen und auf irgendetwas zurückblicken zu können. Ordnung, Linie.
Ja, ich glaube, daß man das kann. Aber ich kann es nicht, und ich will es auch nicht. Und ich bin froh, daß ich es nicht kann. Nicht unbedingt glücklich, aber es steht ja auch nirgendwo, daß ich das sein müßte.
Ich habe mir, als ich diese Zweifel wegen meines Kommentars hatte, diese Ankommer in kleinen schaukelnden Booten auf einem ruhigen See in der Abendsonne vorgestellt. Von Dir hatte ich das Bild eines schweren Kreuzers, der mit großem Tiefgang bei Sturm durch die Ozeane pflügt. Ich denke nicht, daß Du eine Wahl hattest. Von mir aus kannst du es trotzdem Entscheidung nennen, das ändert ja nichts.
Bin mal gespannt, wann ich hier weitermache. Keine Ahnung, was los ist. Ich glaube, ich habe ganz einfach Angst. Daß irgendetwas in mir ausgegraben wird, was mir gerade noch gefehlt hat.
Auch der Literaturmarkt beruht auf dem alles beherrschenden Prinzip von Angebot und Nachfrage.
Irgendwann hat mir jemand mal gesagt, für den typischen geisteswissenschaftlichen Student (bzw. Studienabbrecher) von heute sei „ein Buch schreiben“ auch wie für den Proleten „Popstar werden“, wenn es auf arte eine show gäbe, die als hauptgewinn einen vertrag mit Suhrkamp ausschriebe, gäbs sicher ähnlich viele und schlimme Bewerbungen wie bei DSDS oder wie diese Castingsshows mittlerweile alle heißen.
Das sollte DICH aber nicht vom Schreiben abhalten. Während ein nicht unwesentlicher Teil dieser „sensibel-literarisch ambitionierten“ Kids sich in einer Pfütze aus nicht vorhandener Originalität suhlt und täglich zu den uninspiriertem Blabbla, den sie auf NEON oder JETZT.de veröffentlichen onaniert, finde ich deine Texte wirklich überdurchschnittlich gut. Vielleicht klingt das jetzt abgedroschen, aber du hast wirklich Talent. Und es ist ja wohl nicht anstößig aus seinem Talent etwas machen zu wollen?! Was auch immmer…und wenn’s auch nur ein Buch ist…
(Seit) 2008 schreibst Du nur noch für Dich? Wenn das war wäre, dann könntest Du Deine Gedanken auch in einer Kladde festhalten und selbige in einer Schublade aufbewahren.
P. S.
Ich hab’ ein „h“ vergessen.
Könnte. Ja.
Tu’s nicht.
Wär nämlich schade, wenn Du der einzige wärst, der Dich liest.
Das ist nichts, worum ich mich sorge. So wie es ist, ist es gut.
Für Dich zu schreiben, aber von anderen gelesen zu werden.
Ja.
Das Blog ist, was es ist. So, wie es mir gefällt. Und ich bin natürlich zufrieden damit. Wenn ich es nicht wäre, würde ich verändern, womit ich nicht zufrieden bin. Man kann mich lesen oder man kann es lassen.
OK.
Ich vermute aber trotzdem, dass Du nicht nur für Dich schreibst. Nicht ganz.
Liegt doch in der Natur des Mediums, oder?
Ich ziehe kein Selbstvertrauen daraus, dass Menschen lesen was ich schreibe. Ich fühle mich nicht wertvoller oder wichtiger, seit ich damit angefangen habe. Mir ist kein realer Nutzen aus dem erwachsen, was ich hier mache. Und darum geht es mir auch nicht.
Meiner Ansicht nach ist die Natur dieses Mediums größtenteils ein Schwarzes Loch ohne Strahlung. Es absorbiert, doch es gibt nichts ab. Manche nutzen dieses Medium zur Kommunikation, viele sogar. Und dafür eignet es sich wohl auch. Aber nicht für mich. Ich nutze es als Loch ohne Ausgang, nicht als Kanal für meine Meinung. Was immer ich hineinstecke, es wird nicht voll werden, und es wird nichts an mich zurückgeben. Nichts von all dem hier ist real, nicht diese Antwort, die ich gerade schreibe, nicht das, was bereits auf dieser Seite steht. Es existiert nicht wirklich. Es ist wertlos für mich, doch sinnlos ist es nicht.
Ich schreibe, weil ich loswerden will. Ich will nichts an andere loswerden, ich will es einfach nur loswerden. In meinem Kopf entstehen permanent Ideen, Bilder und Sätze, ohne mein Zutun. Vielleicht liest man das heraus, ich bin nicht zufrieden damit. Ich genieße das nicht. Und ich genieße nicht den Schreibprozess. Doch das Schreiben ist die für mich ergiebigste Art, das loszuwerden, was mir ansonsten keine Ruhe lässt und mich zumüllt, bis ich das Gefühl habe zu zerbersten. Ich habe es auch mit Fotos versucht, mit Musik, mit Alkohol und Tabletten, doch nur das Aufschreiben lässt es mich rausschreiben und meinen Kopf sauberschreiben.
Dem Medium Internet habe ich mich zugewandt, weil es niemals voll wird und nichts von mir verlangt. Ich kann hineinstecken, was und wie ich will. Das zu verstehen, wirklich zu verstehen, hat ein paar Jahre gedauert. Der richtige Weg, doch lange mit falschen Schuhen beschritten. Ich stecke heute Wertloses hinein und werde es los, und das ist für mich der Sinn dabei. Das ist großartig. Wer es am Ende liest, ist mir relativ egal. Denn mir ist es nichts wert und ich kenne auch keinen Weg, es mir wertvoll zu machen, ohne drauflegen zu müssen. Ich schreibe, weil ich nicht anders kann. Und wenn ich diesen Kelch abgeben könnte, würde ich es tun. Ich hasse, dass mein Kopf nur irgendwelchen Plunder anstatt Leben produziert. Das hier ist ein Weg, wie ich es übersichtlich (Dokument-Dateien stapeln mir auch nur den Computer voll) loswerde, es sieht für eine Deponie missgebildeter Kopfgeburten schick aus, und es ist einfach. Wenn also jemand darüber stolpert und für sich Brauchbares findet, sich wiedererkennt oder sonst etwas Nützliches für sich heraus zieht, dann ist das schön. Das freut mich. Doch darum geht es mir nicht und das geht mich nichts an.
Vielleicht siehst Du tatsächlich etwas, was mir entgangen ist. Das kann sein. Aber ich sehe mich nicht auf der Suche nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Lob. (Gerade hier? Nein, das funktioniert in diesem Medium ohnehin nicht.) Ich bin kein Schriftsteller, ich bin kein Künstler. Ich bin nur ein Mensch, der niemandem etwas beweisen müssen will und sich selbst nichts beweisen kann. Ich habe zuviel Angst vor Menschen, um zu versuchen, irgendwie ihre Wege zu kreuzen. Alles was ich will, ist diese eine ruhige Minute in meinem Kopf. Ich bin süchtig danach, sauber zu sein. Und das hier ist ein Weg, der mich zufrieden stellt.
Was Du über die sogenannte Blogosphäre gesagt hast, kann ich nur unterschreiben. Und nicht nur das: ich stimme Dir auch in anderen Dingen zu, die Du oben geschrieben hast.
Ich hatte im Übrigen auch nicht den Eindruck, dass Du nach „Lob“ oder „Selbstbestätigung“ suchst, wenn Du einen Text veröffentlichst. Die letzten Zweifel diesbezüglich hast Du mir so eben genommen.
Für mich hat das Bloggen auch so etwas wie eine – hm – „Entladungsfunktion“. Auf (anerkennende) Kommentare warte ich genauso wenig wie Du. (Spam kommt von selbst). Wär wohl auch verlorene Liebesmüh. Hab’s vorher auch mit anderen Sachen versucht. Leider ohne Erfolg. Schreiben ist da schon besser. Ist zwar Arbeit, aber ich gestehe, dass ich mich erleichtert fühle, wenn ich es schaffe, etwas genauso in Wörter zu packen, wie ich es meine.
Und dass Du diesen „medialen Raum“ ein „Schwarzes Loch ohne Strahlung“ nennst, halte ich für eine ziemlich geniale Beschreibung für das ganze, endlose virtuelle Gebrumme.
Apropos: einen Teil deines letzten Kommentares würde ich gerne posten. „Es muss raus!“ Hoffe, Du hast nix dagegen.
Nice talking to you.
Peter
P. S.
http://philgeland.wordpress.com/2009/10/26/schwarzes-loch-ohne-strahlung/